Randale

Variable Font

Randale

Mit Randale ist im Rahmen des Typedesign-Kurses eine Schrift entstanden, die sich bewusst nicht zurücknimmt. Sie ist als Leseschrift angelegt, bringt aber zugleich einen starken eigenen Ausdruck mit: selbstbewusst, agil, kantig und mit einer gewissen Aufmüpfigkeit. Schon der Name deutet an, dass es hier nicht um neutrale Zurückhaltung geht, sondern um eine Typografie mit Haltung. Ziel des Projekts war es, eine eigenständige Schriftfamilie zu entwickeln, die funktional im Lesetext einsetzbar ist und gleichzeitig einen unverwechselbaren Charakter besitzt.    

Ausgangspunkt war die Suche nach einer Formensprache, die sportlich, schnell und standfest wirkt. In den ersten Entwürfen entstanden Glyphen, bei denen aufeinandertreffende Formen häufig spitz zueinander laufen und dadurch eine gespannte, vorwärtsdrängende Wirkung erzeugen. Im Verlauf des Kurses wurde dieser Ansatz immer weiter verfeinert, zunächst analog in Skizzen und später digital in Glyphs. Dabei entwickelte sich Schritt für Schritt eine komplette Schriftfamilie, deren Formen nicht nur formal zusammenpassen, sondern auch eine klare gestalterische Haltung transportieren.  

n

Idee und Charakter

Randale versteht sich als Schrift mit Ecken, Kanten und Energie. Sie verbindet Lesbarkeit mit einem expressiven Duktus und bewegt sich dabei zwischen typografischer Disziplin und gestalterischer Eigenwilligkeit. Besonders wichtig war mir, dass die Schrift zwar auffällt, aber nicht nur plakativ funktioniert, sondern auch im Textsatz bestehen kann. So entstand eine Schrift, die in Überschriften und Anwendungen markant auftritt, ohne ihre Qualitäten als Leseschrift zu verlieren.    

Der Name Randale passt dabei bewusst zum Charakter der Schrift. Er verweist auf etwas Lautes, Bewegtes und Widerständiges, aber auch auf einen spielerischen und experimentellen Umgang mit Schriftkultur. Frühere Arbeitstitel wie Zentrifugal FontRapid Type oder Aspire Type zeigen bereits, in welche Richtung die Gestaltung gedacht war: Geschwindigkeit, Zugkraft, Spannung und Bewegung. Mit Randale fand das Projekt schließlich einen Namen, der den Ton der Schrift am treffendsten einfängt.  

Gestaltung und Aufbau

Im Zentrum des Projekts stand die Entwicklung einer vollständigen Schriftfamilie mit mehreren Gewichten. Entstanden sind fünf Weight-Schnitte: Light, Regular, Medium, Bold und Extra Bold. Der Medium-Schnitt wurde zuerst angelegt, während Regular und Bold als interpolierte Schnitte daraus hervorgingen. Ergänzt wird die Familie durch eine zusätzliche Slant-Achse, die der Schrift eine noch dynamischere, schnellere Anmutung verleiht und den ursprünglichen sportlichen Anspruch besonders stark sichtbar macht. Insgesamt umfasst das Projekt damit zehn Schnitte, wobei die schrägen Varianten noch als Beta verstanden werden.    

Spannend war für mich vor allem, wie stark sich der Charakter einer Schrift durch Details entscheidet: durch Proportionen, Schwünge, Anschlüsse, Spationierung und Kerning. Gerade in diesen technischen und formalen Feinabstimmungen wurde deutlich, wie viel Präzision in einer Schrift steckt. Viele Erkenntnisse entstanden nicht nur beim Zeichnen der Glyphen selbst, sondern auch beim späteren Anwenden der Schrift im Booklet, wo Fehler, Unsauberkeiten oder Unstimmigkeiten unmittelbar sichtbar wurden und direkt in die Weiterentwicklung einflossen. 

Wortgefecht
wght560
slnt6

Variable Font und Erweiterungen

Ein wichtiger Teil des Projekts ist die Umsetzung als variabler Font. Die Schrift lässt sich nicht nur in mehreren festen Schnitten nutzen, sondern auf zwei Achsen stufenlos anpassen: Gewicht und Neigung. Dadurch wird Randale besonders flexibel und kann je nach Anwendung feinjustiert werden — von ruhiger und klarer bis hin zu deutlich expressiver und bewegter. Gerade diese technische Offenheit passt gut zur gestalterischen Idee der Schrift, weil sie ihren Charakter nicht auf eine einzige starre Form festlegt, sondern unterschiedliche Intensitäten zulässt.  

Auch die Symbolwelt wurde passend zum Schriftkonzept mitgedacht. Die Zeichen und Symbole greifen den krawalligen, selbstbewussten Grundton der Schrift auf und erweitern ihn um eine zusätzliche visuelle Ebene. So bleibt Randale nicht auf Buchstaben beschränkt, sondern entwickelt eine kleine eigene Welt, die den Namen und die Haltung der Schrift gestalterisch mitträgt.  

Anwendungen

Besonders lebendig wird das Projekt dort, wo die Schrift in konkrete Anwendungen überführt wird. Im Booklet wird Randale nicht nur technisch präsentiert, sondern in verschiedenen Kontexten erprobt — etwa auf einem Bieretikett, einem Fußballtrikot oder einer Tasche. Dadurch wird sichtbar, dass die Schrift nicht nur als typografisches System funktioniert, sondern auch in realen Gestaltungssituationen trägt. Sie kann plakativ, sportlich, laut oder ironisch wirken und bleibt dabei immer wiedererkennbar.  

Ergänzt wurde das Projekt durch eine eigene Microsite, auf der die Schrift animiert gezeigt, ausprobiert und heruntergeladen werden kann. Damit wurde Randale nicht nur als Kursprojekt dokumentiert, sondern zugleich in eine Form überführt, die öffentlich erlebbar und nutzbar ist. Die Schrift endet also nicht im PDF oder im Seminarraum, sondern tritt nach außen und wird als eigenständiges Gestaltungsergebnis sichtbar.  

Fazit

Randale war für mich weit mehr als das Entwerfen einzelner Buchstaben. Das Projekt war ein intensiver Lernprozess, in dem gestalterische Idee, typografisches Handwerk und technische Umsetzung eng zusammengekommen sind. Dabei ist eine Schrift entstanden, die lesbar bleibt und trotzdem Charakter zeigt — eine Schrift, die aneckt, vorwärtsdrängt und gerade dadurch eigenständig wirkt. Gleichzeitig hat das Projekt den Grundstein für weitere Auseinandersetzungen mit Schriftgestaltung gelegt: mit variablen Achsen, experimentellen Formideen und dem Wunsch, Typografie nicht nur funktional, sondern auch forschend und spielerisch weiterzudenken.