random()
Experimentelle Auseinandersetzung mit der Suche nach Ästhetik im (digital) Zufälligen
Mit random() habe ich mich in meiner Bachelorarbeit mit einer Frage beschäftigt, die mich schon lange begleitet: Kann im Zufall eine eigene Ästhetik liegen — und wenn ja, wie lässt sie sich sichtbar, erlebbar und greifbar machen? Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass wir im Alltag meist nach Ordnung, Kontrolle und Vorhersehbarkeit streben, während der Zufall eher als Störung oder Unsicherheit wahrgenommen wird. Gleichzeitig ist er überall: in Begegnungen, in natürlichen Strukturen, in technischen Prozessen und auch in künstlerischen Arbeitsweisen. Genau diesem Spannungsfeld wollte ich mich widmen. Die Arbeit versteht sich als experimentelle Untersuchung des digitalen Zufalls und seiner Übersetzung in analoge, räumliche und visuelle Formen.
Der Titel random() bezieht sich bewusst auf die JavaScript-Funktion Math.random(), also auf eine technisch erzeugte Form von Zufälligkeit. Mich hat dabei besonders interessiert, wie sich dieser digitale Zufall nicht nur als Werkzeug im Code nutzen lässt, sondern wie daraus Werke entstehen können, die emotional, ästhetisch und körperlich erfahrbar werden. Inhaltlich und formal bewegt sich das Projekt zwischen Webentwicklung, generativer Gestaltung, Pen-Plotting, 3D-Druck und Installation. Es geht also nicht nur darum, Zufall zu simulieren, sondern darum, ihn durch verschiedene Medien hindurch zu untersuchen und jeweils anders sichtbar zu machen.
Idee und Ansatz
Im Zentrum der Arbeit stand keine starre Fragestellung mit festem Endprodukt, sondern ein experimenteller Zugang. Gemeinsam mit meinen Betreuer:innen entwickelte sich früh die Richtung, mich offen, suchend und über Versuch und Irrtum mit dem Thema auseinanderzusetzen. Statt von Beginn an auf ein klar definiertes Ergebnis hinzuarbeiten, ließ ich zu, dass sich Formen, Methoden und Schwerpunkte während des Prozesses verschieben. Genau diese Offenheit passte zum Thema: Wer sich ernsthaft mit Zufall beschäftigt, kann nicht alles im Voraus festlegen.
Daraus entstanden drei Projekte, die den Zufall aus unterschiedlichen Perspektiven untersuchen. randomOdyssey bildet den Einstieg und verknüpft digitale Zufälligkeit mit einer realen Naturerfahrung. betweenTheLines befasst sich mit der visuellen und gestalterischen Spannung zwischen Ordnung und Chaos und mit dem Transfer vom Digitalen ins Analoge. randomMonument führt das Thema schließlich in den dreidimensionalen Raum und verdichtet es zu einer installativen, beinahe körperhaften Form. Zusammen bilden diese drei Teile ein Gesamtkonzept, das den Zufall nicht nur theoretisch betrachtet, sondern ihn als gestalterisches Werkzeug und als ästhetische Erfahrung ernst nimmt.
randomOdyssey
Den Auftakt der Arbeit bildet randomOdyssey. Dafür entwickelte ich eine Webapp, die ausgehend vom aktuellen Standort einen zufälligen Punkt im Umkreis von bis zu 100 Kilometern generiert. Zu diesem Ort machte ich mich anschließend real auf den Weg. Die Idee dahinter war, einen rein digitalen Zufallsimpuls in eine konkrete physische Erfahrung zu übersetzen. Der Zufall blieb also nicht auf dem Bildschirm, sondern bestimmte eine tatsächliche Route, einen Ort und eine Situation.
Die erste Reise führte mich von Mainz nach Langen in Hessen, an einen Punkt nahe der Brandschneise in einem Waldstück. Entscheidend war dabei weniger das spektakuläre Ziel als die Veränderung der Wahrnehmung. Durch die zufällige Setzung des Ortes bekam die gesamte Reise eine andere Qualität: Alltägliche Details wirkten intensiver, der Weg wurde wichtiger als ein klar geplanter Zweck, und der Zufall trat als aktiver Auslöser einer Erfahrung auf. Das Projekt diente damit auch als bewusstes Einläuten der Bachelorarbeit — als ein Startsignal, das die Haltung für die kommenden Monate setzte: offen, neugierig und bereit, Kontrolle auch einmal abzugeben.
betweenTheLines
Das zweite und umfangreichste Teilprojekt ist betweenTheLines. Hier habe ich mich mit der Frage beschäftigt, wie sich die Spannung zwischen Ordnung und Unordnung visuell darstellen lässt. Ausgangspunkt waren präzise geometrische Grundformen wie Linienraster, Kreise, Spiralen oder andere klar strukturierte Anordnungen. Diese wurden mithilfe digitaler Zufallsalgorithmen verzerrt, aufgebrochen und transformiert. So entstanden Werke, die gleichzeitig kontrolliert und unvorhersehbar wirken — irgendwo zwischen System und Störung, zwischen Klarheit und Auflösung. Für die Entwicklung der Formen programmierte ich ein eigenes Webtool, mit dem sich unterschiedliche Grundformen generieren und über Parameter wie Auflösung, Verzerrung und Turbulenz manipulieren lassen. Später kamen weitere Funktionen hinzu, darunter Animationen, Farbverläufe, Community-Sharing und Exportmöglichkeiten als SVG oder STL. Die Arbeit verlagerte sich damit zunehmend von einzelnen Experimenten hin zu einer eigenständigen gestalterischen Plattform, in der sich digitale Zufälligkeit gezielt erforschen ließ. Aus dieser Entwicklung entstand eine große Bandbreite visueller Arbeiten, die teils am Bildschirm funktionierten, teils aber auch bewusst für den Transfer in den physischen Raum gedacht waren.
Ein wichtiger Teil davon war das Plotten mit einem Vertikalplotter. Gerade dort wurde spannend, dass der Wechsel vom Digitalen ins Analoge nicht verlustfrei geschieht. Mechanische Ungenauigkeiten, Schwingungen, Materialverhalten und leerlaufende Tinte brachten eine zusätzliche Ebene von Zufall ins Spiel. Die geplotteten Ergebnisse waren dadurch nicht bloß Reproduktionen digitaler Formen, sondern eigenständige Artefakte mit einer ganz eigenen Qualität. Auch Fehler und Glitches wurden dabei interessant: Manche Bugs im Code oder in der Ausgabe führten zu unbeabsichtigt entstandenen Bildern, die ästhetisch besonders reizvoll waren. Dadurch wurde deutlich, dass Zufall nicht nur im geplanten Algorithmus steckt, sondern auch in den Brüchen und Störungen des Prozesses selbst.
randomMonument
Mit randomMonument ging das Projekt in den dreidimensionalen Raum. Schon früh war der Wunsch da, den Abschluss der Thesis in Form eines zentralen Objekts oder einer Installation zu denken. Aus einer zunächst eher vagen Idee einer Plastik entwickelte sich schließlich ein Konzept für ein dynamisches, raumgreifendes Objekt, das den Zufall nicht nur darstellt, sondern als Wesen oder Kraft im Raum erfahrbar machen soll.
Im Unterschied zu den vorherigen Arbeiten steht hier weniger die grafische Struktur im Vordergrund als die emotionale und körperliche Wahrnehmung. Die Installation sollte freistehend im Raum platziert werden und auf ihre Umgebung reagieren, etwa durch Lautstärke oder die Nähe von Personen. Dabei bleibt bewusst offen, ob der Mensch in dieser Situation eher ordnend oder chaotisierend wirkt. randomMonument ist damit als Höhepunkt der Ausstellung gedacht: als Arbeit, die den Zufall nicht mehr nur als Bild oder Muster zeigt, sondern als unvorhersehbare Präsenz im Raum.
Erkenntnisse
Eine der wichtigsten Einsichten aus der Arbeit war für mich, dass Chaos und Ordnung nicht als Gegensätze funktionieren, die einander ausschließen, sondern dass sie voneinander abhängig sind. Reine Kontrolle führt schnell zu Langeweile, reines Chaos zum Kollaps. Die ästhetisch spannendsten Ergebnisse entstanden genau dort, wo beides im Gleichgewicht war. Diese Beobachtung zeigte sich sowohl in den generierten Formen des Webtools als auch in den geplotteten Arbeiten, den Glitches und schließlich in der Idee der Installation. Die Ästhetik des Zufalls liegt also nicht einfach im Beliebigen, sondern im kontrollierten Spielraum, in dem Unvorhersehbares zugelassen wird.
Rückblickend wurde außerdem deutlich, dass die drei Teilprojekte fast beiläufig auch drei Dimensionen abbilden: randomOdyssey als Strecke zwischen zwei Punkten, betweenTheLines als Fläche und randomMonument als räumliches Objekt. Gerade diese Entwicklung zeigt für mich, dass sich das Thema nicht in einer einzigen Arbeit erschöpft, sondern in verschiedene Medien und Erfahrungsformen ausdehnen lässt. random() war deshalb nicht nur eine abgeschlossene Bachelorarbeit, sondern auch ein offenes Forschungs- und Gestaltungsfeld, das sich weiterdenken lässt.
Ausblick
Die Resultate der Bachelorarbeit waren von Anfang an auch als Ausstellung gedacht. Die Kombination aus Webtool, Plot-Arbeiten, 3D-Objekten und Installation sollte Besucher:innen dazu einladen, den Zufall nicht nur als abstrakten Begriff, sondern als schöpferische Kraft zu erleben. Mein Ziel war es, eine neue Wertschätzung für das Ungewisse und Unerwartete zu schaffen und sichtbar zu machen, dass Zufall nicht nur Störung ist, sondern Ausgangspunkt für Form, Erfahrung und Gestaltung sein kann.
Wenn du willst, formuliere ich dir daraus als Nächstes noch eine zweite Version, die noch stärker wie eine fertige Website-Projektseite klingt und etwas kürzer, glatter und öffentlichkeitswirksamer formuliert ist.